Infobrief vom 05. November 2020 ■ Institut für Bienenkunde Celle

In den vergangenen Jahren schwankte die Völkerverlustrate in Deutschland durchschnittlich um 16,5 Prozent. Nicht alle Imker*innen sind davon betroffen. Neben Begleitfaktoren liegt die Hauptursache dieser Verluste bekanntlich in einer unzureichenden Varroa-Bekämpfung. Bei der Durchschau der im Winter eingegangenen Völker kam es in den vergangenen Jahren nicht selten vor, dass man bei einem Teil dieser Völker deutlich erkennen konnte, sie haben nicht überlebt, weil sie einfach zu schwach eingewintert wurden. Die Winterverluste könnten niedriger sein, wenn alle Imker*innen mehr Augenmerk auf die „Wintertauglichkeit“ ihrer Bienenvölker legen würden. Dies wollen wir u.a. mit diesem Infobrief erreichen.
Es leuchtet ein, dass schwache Völker den Winter nicht überleben können, weil die Bienen ab einer kritischen Schwelle nicht einmal die nötige Wärme zum gemeinsamen Überleben produzieren und auch den Kontakt zu den Futtervorräten nicht aufrechterhalten können. Entscheidend für die erfolgreiche Überwinterung sind gesunde, Varroa „befreite“, Individuen-starke und ausreichend mit Futter versorgte Völker. Die derzeit kalten Nachttemperaturen bieten die ideale Grundvoraussetzung, um die Völker jetzt am frühen Morgen in ihrer Volksstärke beurteilen und damit ihre Überwinterungschance einschätzen zu können. Gegebenenfalls muss man jetzt schwache Bienenvölker mit anderen vereinigen, um so das Risiko unnötiger Winterverluste vermeiden zu helfen. Dazu liefern wir hier Anregungen und Empfehlungen.

Sind die Bienenvölker derzeit stark genug, um den kommenden Winter überhaupt zu überstehen?

Alle Bienenvölker (Jung- und Altvölker) müssen jetzt über mehr als 5.000 gesunde Bienen, eine möglichst junge Königin und ausreichend eingelagertes Futter verfügen. Diese kritische Schwelle zeigte sich bei detaillierten Untersuchungen an Bienenvölkern, deren Volksstärke systematisch durch Populationsschätzungen nach der Liebefelder Methode erfasst wurde. In der praktischen Imkerei bedarf es jetzt zur Erfassung der Volksstärke nicht solcher Bienen-Populationsschätzung. Eine grobe Abschätzung der Volksstärke ist dafür ausreichend. So sollte man jetzt, nach einer kühlen Nacht am frühen Morgen, wenn sich die Bienen in den Wabengassen zusammengezogen haben, die Bienenbesetzten Gassen von oben betrachtet abzählen. Die durchweg gering besetzten beiden äußeren Wabengassen, der von oben sichtbaren Bienentraube, werden dabei nicht mitgerechnet. Bei 1-zargigen Völkern sollte die Zarge danach zudem vom Beutenboden und bei 2-zargigen Völkern die oberste Zarge kurz angekippt werden. So überprüft man, ob die Bienen auch von unten zu sehen sind, also tatsächlich die 2 / 3 Wabengassen über die Wabenflächen füllen. Bei sorgsamer Vorgehensweise muss man sich keine Sorgen um die Bienen machen, denn solch ein kurzer Eingriff ist selbst bei Minusgraden unbedenklich.
Die Überwinterungschance steht und fällt mit der Anzahl jetzt vorhandener Bienen in den Völkern. Völker, die Anfang November auf drei Wabengassen sitzen, unterliegen grundsätzlich einem erheblichen Sterberisiko. Vier besetzte Wabengassen sind gerade einmal das absolute Mindestmaß. Je nach Witterungsverlauf besteht erfahrungsgemäß auch bei diesen Völkern ein Sterberisiko . Diesen Völkern muss geholfen werden, ansonsten überleben sie möglicherweise den
kommenden Winter 2020/21 nicht.

Schwache Bienenvölker sollten jetzt mit anderen Völkern vereinigt werden, um so die nötige Überwinterungsstärke zu schaffen.

Bei diesem Vorhaben wird vorausgesetzt, dass die Völker grundsätzlich gesund sind und die geringe Bienenanzahl keine Folge von Krankheiten oder anderen Schädigungen ist. 1-zargige Völker kann man zur Vereinigung entweder direkt aufeinandersetzen, so
dass sie nur noch über einen gemeinsamen Boden und ein Flugloch verfügen. Keinesfalls sollte zu dieser Jahreszeit dafür eine Zeitung mit dem „gut gemeinten“ Gedanken zwischengelegt werden, die Bienen müssten sich aneinander gewöhnen.
Die Vereinigung funktioniert ganz ohne solche Hilfsmittel und ohne dass sich die Bienen dabei gegenseitig abstechen. Eine Zeitung behindert eher dieses Vorhaben. Hat man zwei schwache 1-zargige Völker, können diese auch in einer Zarge vereinigt werden, indem man die Waben des einen direkt an das andere Volk hängt. Dafür muss man dem Volk womöglich leere Randwaben entnehmen, um so Platz zu
schaffen. Volle Futterwaben müssen dabei an den Rand des Bienensitzes gehängt werden, da sie sonst wie ein Schied die Vereinigung der Völker behindern würden. Bei 2-zargigen Völkern kann es sinnvoll sein zunächst diejenige Zarge ohne Bienen und ohne Futtervorräte ganz wegzunehmen und ein 1-zargiges Volk darauf oder unter zu setzen.
Um die Königinnen muss man sich nicht kümmern, denn das regeln die Bienen selber. Die Flugbienen, der so zusammengesetzten Völker, werden sich nach dem Winter an dem neuen Standplatz neu orientieren. Demnach muss man sich auch keine Sorgen um Flugbienenverluste machen. Wichtig aber ist darauf zu achten, dass die so zusammengesetzten Völker auch ausreichende Futtervorräte haben und zusammen dann mehr als 5.000 Bienen umfassen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen!
Bleiben Sie gesund! So verbleiben wir mit den besten Grüßen

Dr. Otto Boecking,Prof. Dr. Werner von der Ohe,
LAVES Institut für Bienenkunde Celle
Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle

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