Geschichtliches zum LIMV

Kurzfassung von Herwig Brätz (IV Schwaan)

Als 1990 die Imker Mecklenburgs und Vorpommerns einen neuen Landesverband gründeten, war es in zweifacher Hinsicht eine Rückkehr zu früheren Neubeginnen (1872 und 1945):

Schon der 1872 auf Initiative von Pastor Bertold Rabbow gegründete (vorpommersch-preußische) Baltische Zentralverein für Bienenzucht war eine Zeit lang auch der Heimatverband der Imkervereine aus Mecklenburg (-Schwerin und -Strelitz).

Erst 1878 gründeten die mecklenburg-schwerinischen Imkervereine auf Initiative des Parchimer Lehrers Paul Neumann mit staatlicher Unterstützung einen eigenen Landesverband und im Jahre 1900 trennten sich auch die  Mecklenburg-Strelitzer Imkervereine vom Baltischen Zentralverein, so dass es  zu einer Dreiteilung der Imkerschaft auf dem heutigen Landesgebiet kam.

Rabbow und Neumann sowie der Vorsitzende des ältesten mecklenburgischen Imkervereins Rostock, Dr. Friedrich Kühl, waren zudem Jahre lang im Bundesvorstand der Wander­ver­einigung deutsch­sprachiger  Imker aktiv. In der Bewegung zur Einigung der drei deutschen Imkerbünde sowie der nicht verbündeten Landesverbände spielte Paul Neumann (als Schriftführer der Wandervereinigung) eine führende Rolle als Koordinator. Dabei kam es z.B. 1906 in Schwerin zu einem denkwürdigen Treffen zwischen ihm und Ferdinand Gerstung. Als 1907 der Deutsche Imkerbund ins Leben gerufen wurde, wurde ein Mann aus Pommern der erste Vorsitzende – Pastor Otto Sydow.

Von Mitte der 20er Jahre bis 1945 war der Lehrer Karl Hans Kickhöffel (sitzend 1. Reihe 7. v.r.) aus Vorpommern die markanteste Persönlichkeit in der deutschen Imkerverbandsstruktur. Ein Foto der „Väter des Einheitshonig­glases“ des Deutschen Imkerbundes zeigt Kickhöffel mit Gustav Griese (sitzend 1. Reihe 3. v.l.) vom mecklen­burg-­schwerinischen Landesverband in der ersten Reihe.

Quelle:Chronik „100 Jahre D.I.B“

Mit der Zusammenlegung der beiden mecklenburgischen Staaten im Jahre 1933 wurden deren Imker-Landesverbände zu einer rechtlich unselbständigen Landesfachgruppe „gleichgeschaltet“ und jegliche Verbandsdemokratie abgeschafft, woran Kickhöffel einen wesentlichen Anteil hatte. Die Auflösung des Preußischen Imkerbundes im gleichen Jahr führte zur Auflösung des Baltischen Zentralvereins und Bildung einer Landesfachgruppe für ganz Pommern. Die Imker waren fortan Teil einer größeren Struktur, die Imker mit Geflügel-, Pelztier-, Kaninchenzüchtern usw. vereinte, wobei die Vorstände der Landes-, Kreis- und Ortsfachgruppen „von oben“ ernannt wurden – in Pommern war Fritz Müller aus Ferdinandshof der Landesgruppenführer, in Mecklenburg Walter Kittmann aus Vietow, später Doberan. Über dem Ganzen schwebte eine überbordende Bürokratie, die 1943 mit 160 Mitarbeitern ihren Gipfel erreichte (vor 1933 wurden die Landesverbände durchweg ehrenamtlich geführt).

1945 wiederum war es Karl Pinkpank, der  Pressesprecher des Deutschen Imkerbundes in den Jahren 1926 bis 1933, der einen rechtlich eigenständigen „Landesverband mecklenburg-vorpommerscher Imker“ mit Sitz in Ribnitz begründete, dem allerdings kein langer Bestand beschieden war: 1951 wurde er wie der Deutsche Imkerbund der DDR per Ministerratsverordnung wieder aufgelöst (unter Bruch von Artikel 9 der Verfassung der DDR). Schon Ende 1947 musste der Verweis auf Vorpommern aus dem Landes­namen gestrichen werden und kurz darauf wurden die Imkerlandesverbände als „Bienenzucht­gemeinschaften“ der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe/Bäuerliche Handels­genossenschaften angegliedert.

1952 erfolgte wiederum eine Dreiteilung der Imkerschaft – diesmal ohne Bezug auf die historischen Landschaften im Rahmen der drei „Nordbezirke“ der DDR. Die Vereine wurden in rechtlich unselbst­ständige Orts-, Kreis- und Bezirks-„Sparten“ umdefiniert. 1958 fand die Strukturbildung ihren Abschluss, indem die Imker dem Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) zugeordnet wurden. Die Imkerei in den Strukturen des VKSK wurde zu einer langen Erfolgsgeschichte, die vor allem darauf beruhte, dass Honig ein Exportartikel war und der Aufkauf entsprechend subventioniert wurde.

Als 1990 die Imker Mecklenburgs und Vorpommern einen neuen Landesverband gründeten, wurde es ein bescheidenerer Neuanfang als 1945: die Imkerei brach zusammen (1945 hatten von 130.000 Bienenvölkern nur 60.000 das Kriegsende überstanden, seit Anfang der 90er Jahre gibt es in Mecklenburg-Vorpommern keine 30.000 Bienenvölker mehr). Die Imkerschaft musste sich nicht nur organisatorisch, sondern auch technisch-wirtschaftlich völlig neu definieren. 1990 bestanden – ähnlich wie 1945 – gar keine Vereine, die den Landesverband hätten bilden können, denn die Imker waren ja noch in Sparten des VKSK organisiert. Und da es auch noch kein Land „Mecklenburg-Vorpommern“ gab, hieß der neue Landesverband auch etwas anders, nämlich „Landesverband der Imker Mecklenburg und Vorpommern e.V.“. Wichtiger als solche Satzungsfragen war freilich der Wille, wieder einen gemeinsamen Landesverband zu schaffen, dessen erster Vorsitzender Jürgen Blohm aus Bantin wurde, dem für 20 Jahre Wolf-Dieter Feldkamp folgte.